Für die Menschen. Für Westfalen-Lippe.

Atlas der Libellen Nordrhein-Westfalens

Arbeitskreis Libellen NRW in Zusammenarbeit mit dem LWL-Museum für Naturkunde

Der Atlas zeigt Ihnen auf Basis von Topographischen Karten das Vorkommen heimischer Libellenarten. Probieren Sie es aus.

Sibirische Winterlibelle

Sympecma paedisca

Erstnachweis:
Nachweise im Atlas:
Anhang II :
Anhang IV:
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Startjahr

Endjahr

 

Artfoto
Männchen von S. paedisca (Niederlande, 25.05.2015). Foto: Wünsch, Willi

Verbreitung und Bestandssituation

Sympecma paedisca zählt zu den eurasiatischen Faunenelementen und ist von Mitteleuropa über Weißrussland bis nach Sibirien verbreitet. Vom osteuropäischen Kernareal ausgehend reichen schmale Ausläufer bis nach Mitteleuropa, wo die Art in den Niederlanden ihre westliche Verbreitungsgrenze besitzt (Dijkstra & Lewington 2006). In Deutschland kommt S. paedisca in einem küstennahen Streifen von der polnischen Grenze über den Nordosten von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern bis in den Westen Niedersachsens vor (Jödicke 1997, Mauersberger 2005). Hier grenzen die Vorkommen an das niederländische Verbreitungsgebiet an (Seijen & Hofstra 2007). Weitere Verbreitungsschwerpunkte innerhalb Deutschlands sind das Alpenvorland und das Bodenseegebiet (Kuhn & Burbach 1998; Sternberg & Buchwald 1999). Einzelne Funde liegen aus Oberfranken (Kuhn & Burbach 1998) vor.

In Nordrhein-Westfalen war S. paedisca schon immer extrem selten und gilt aktuell als ausgestorben (Conze & Grönhagen 2011). Die letzten Nachweise stammen aus dem NSG Heiliges Meer [3611/2+4], wo die Art zuletzt 1966 und 1967 nachgewiesen wurde (Lohmann 1980; Rudolph 1984b). Weitere historische Nachweise liegen aus dem Raum um Münster und Rheine vor und sind zum Teil auch im Westfälischen Museum für Naturkunde in Münster belegt (Gries & Oonk 1975; Rudolph & Rehage 2014). Alle ehemaligen Fundorte liegen unter 100 m ü.NN. Die Nordrhein-Westfalen nächstgelegenen, derzeit bekannten Fortpflanzungsgewässer befinden sich im niederländisch-niedersächsischen Grenzgebiet in lediglich 45 km Entfernung von der Landesgrenze (Ketelaar et al. 2007). Überwinterungslebensräume sind in etwa 35 km Entfernung zur niedersächsisch-westfälischen Grenze aus der Grafschaft Bentheim bekannt (Seijen & Hofstra 2007).

Lebensräume in Nordrhein-Westfalen

Sympecma paedisca besiedelt in Mitteleuropa stehende bis sehr schwach fließende Gewässer verschiedener Typen, wobei das Vorhandensein vertikaler Vegetationsstrukturen im Wasser als wichtig erachtet wird (Jödicke 1997; NVL 2002; Mauersberger 2005; Ketelaar et al. 2007). In Süddeutschland handelt es sich bei den Fundorten oft um bulten- und schlenkenreiche Pflanzengesellschaften in (See-)Rieden (Sternberg & Buchwald 1999). Als vorherrschende Pflanzenarten finden sich Phragmites australis (Schilf), Typha spp. (Rohrkolben), sowie verschiedene Carex spp. (Seggen) und Juncus spp. (Binsen). Die Gewässer sind dabei meist meso- bis eutrophen Charakters (Ketelaar et al. 2007). Als Überwinterungsorte werden aus den Niederlanden vor allem lichte Wälder und deren Lichtungen genannt, wo sich die Tiere häufig in Beständen von Molinia caerulea (Pfeifengras) und Calluna vulgaris (Besenheide) aufhalten (Manger & Dingemanse 2007).

Phänologie in Nordrhein-Westfalen

Auf Grund fehlender aktueller Nachweise ist über die Phänologie von Sympecma paedisca in Nordrhein-Westfalen nur wenig bekannt. Die wenigen vorliegenden historischen Funde stammen aus den Monaten August, September und Oktober. Zur Orientierung soll auf die Flugperiode der Art in den Niederlanden hingewiesen werden. Die Flugzeit von S. paedisca, die wie Sympecma fusca (Gemeine Winterlibelle) zwei Aktivitätsmaxima zeigt, erstreckt sich dort vor allem zwischen Mitte März und Mitte Mai und zwischen Ende Juli und Oktober (NVL 2002). Im Zeitraum zwischen November und Anfang März überwintern die Tiere an windgeschützten Orten (Manger & Dingemanse 2007).

Gefährdung und Schutz

Sympecma paedisca wird in Deutschland als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft (Ott et al. 2015) und gilt in Nordrhein-Westfalen als „ausgestorben“ (Conze & Grönhagen 2011). Die Art ist im Anhang IV der FFH-Richtlinie aufgeführt und gehört somit zu den streng geschützten Arten.

In Anbetracht der Tatsache, dass in den Niederlanden aktuelle bis nach Niedersachsen expandierende Vorkommen existieren (Ketelaar et al. 2007; Seijen & Hofstra 2007), ist zukünftig eine Wiederbesiedlung Nordrhein-Westfalens nicht auszuschließen. Bei einem erneuten Auftauchen von S. paedisca besitzt die Art höchste Schutzpriorität. Die Bestandsentwicklung wäre dann durch ein Monitoring zu überwachen und zu optimieren.

Zitiervorschlag

Willigalla C (2022): Sibirische Winterlibelle (Sympecma paedisca). In: AG Libellenkunde NRW — Online-Atlas der Libellen Nordrhein-Westfalens. Heruntergeladen von libellenatlas-nrw.lwl.org am 30.11.2022

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