Für die Menschen. Für Westfalen-Lippe.

Atlas der Libellen Nordrhein-Westfalens

Arbeitskreis Libellen NRW in Zusammenarbeit mit dem LWL-Museum für Naturkunde

Der Atlas zeigt Ihnen auf Basis von Topographischen Karten das Vorkommen heimischer Libellenarten. Probieren Sie es aus.

Gemeine Winterlibelle

Sympecma fusca

Erstnachweis:
Nachweise im Atlas:
Anhang II :
Anhang IV:
Kartenansicht
Startjahr

Endjahr

 

Artfoto
Männchen von S. fusca (Lanstroper See, Dortmund, 10.05.2008). Foto: Hennigs, S.

Verbreitung und Bestandssituation

Sympecma fusca ist eine holomediterrane Art, die in Europa weit verbreitet ist. Der Verbreitungsschwerpunkt der Art befindet sich im Mittelmeerraum, von wo auch einzelne Nachweise aus Nordafrika bekannt sind (Dijkstra & Lewington 2006). Die Nordgrenze der Verbreitung erstreckt sich entlang der französischen Atlantikküste, der deutschen Nord- und Ostseeküste bis Südostschweden. In Großbritannien wurde 2008 erstmals ein Tier bei Tonna, North Wales, nachgewiesen (Parr 2009). Aus den Niederlanden, Belgien und Deutschland sind eine Vielzahl von Vorkommen bekannt, so dass die Art hier als weit verbreitet gelten kann (Jödicke 1997, NVL 2002, de Knijf et al. 2006).

In Nordrhein-Westfalen ist S. fusca verbreitet und zählt zu den mäßig häufigen Arten. Das Verbreitungsgebiet der Art erstreckt sich hier vom Rheintal über das Niederrheinische Tiefland bis hin zum Weserbergland. Die Westfälische Bucht wird nur punktuell besiedelt, wobei Verbreitungsschwerpunkte an austrocknenden Teichanlagen zu finden sind (Schmidt 1997, Olthoff & Schmidt 2009). S. fusca kommt in Nordrhein-Westfalen fast ausschließlich in den tieferen Lagen unter 200 m ü.NN vor. Der höchste Fundpunkt mit nachgewiesener Bodenständigkeit liegt im NSG Kallmuther Berg [5405/2] auf 400 m ü.NN, Imagines konnten aber im Urfttal auch bis 540 m ü.NN (NSG Obere Urft [5505/3]) beobachtet werden.

Im Rheinland ist die Art seit jeher regelmäßig anzutreffen, Anzeichen für Bestandsschwankungen sind hier nicht erkennbar (vgl. Kolbe 1879; le Roi 1915a; Kikillus & Weitzel 1981). Im südwestlichen niederrheinischen Tiefland hingegen galt die Art in den 1980er Jahren als verschollen, wurde dann aber Anfang der 1990er Jahre wieder entdeckt (Joedicke 1995; Kolshorn 1996).

Bei den meisten Nachweisen der Art in Nordrhein-Westfalen handelt es sich um Funde von Einzeltieren. In hohen Abundanzen konnte S. fusca nur in wenigen Gebieten wie z.B. im Gebiet der Senne [4117/3, 4118/3] (Hahn 1999), in den NSG’s Teiche in der Heubachniederung [4109/3], Lanstroper See [4411/1] oder Teverener Heide [5002/1] nachgewiesen werden. Seit den 1990er Jahren kam es landesweit zu einer Zunahme der Beobachtungen der Art. Ob es sich hierbei um eine Ausbreitung handelt oder ob auf die Art stärker geachtet wurde, lässt sich nicht sicher sagen.

Lebensräume in Nordrhein-Westfalen

In Nordrhein-Westfalen liegen Nachweise von Sympecma fusca überwiegend von Stillgewässern wie Weihern, Teichen, Tümpeln und Abgrabungsgewässern vor. Besiedelte Gewässer zeichnen sich oftmals durch das Vorhandensein einer Röhrichtszone aus. Obwohl die Art auch regelmäßig an Gräben gefunden wurde, werden Fließgewässer im Allgemeinen nicht besiedelt. Überdurchschnittlich viele Meldungen liegen aus Abgrabungen sowie aus Heide- und Moorgebieten vor. Die besiedelten Gewässer zeichnen sich meist durch eine reichhaltige Unterwasser- und oft auch Schwimmblattvegetation aus. Zumeist sind niedrige, aus dem Wasser ragende Pflanzenstängel vorhanden. Die Larven leben in der thermisch begünstigten Flachwasserzone (Heidemann & Seidenbusch 1993). Von S. fusca besiedelte Gewässer weisen häufig eine hohe Anzahl weiterer Libellenarten auf, nicht selten mehr als 15 Arten. Dies liegt vermutlich an der reich strukturierten Vegetation der Gewässer, die unter anderem vielfältige Eiablagesubstrate und Schutz vor Fressfeinden bietet.

Der Aktionsradius von S. fusca ist sehr groß. In den Wintermonaten beziehungsweise zur Reifungsphase werden häufig Habitate in einer Entfernung zwischen ein und zwei Kilometern vom Fortpflanzungsgewässer aufgesucht. Wildermuth (1997) stellte eine maximale Entfernung zum nächsten Fortpflanzungsgewässer von 4,6 km fest. In dieser Zeit werden überwiegend lichte, windgeschützte Wälder, Waldränder und Heideflächen aufgesucht (Jödicke 1997).

Phänologie in Nordrhein-Westfalen

Sympecma fusca und die nah verwandte Sympecma paedisca (Sibirische Winterlibelle) unterscheiden sich grundsätzlich von den übrigen in Nordrhein-Westfalen vorkommenden Libellenarten, da sie als Imago überwintern. Bedingt durch geringe Kartieraktivität im Winter liegen nur wenige Nachweise von S. fusca aus Überwinterungshabitaten vor. Nach ersten Beobachtungen schon ab Anfang Februar erhöhen sich ab Mitte April die Aktivitäten der Art am Gewässer deutlich. Beobachtungen von Kopula und Eiablage liegen recht durchgehend aus dem Zeitraum vom 12.03.(1919) bis zum 17.06.(1996) sowie vereinzelt von Anfang August: 3.8.(2005) bis in den Oktober: 22.10.(1989) vor. Nachdem meist ab Anfang Juni nur noch Einzeltiere der alten Generation zu beobachten sind, schlüpfen ab Mitte Juli wieder die ersten Tiere der neuen Generation. Diese bilden Ende Juli bis Anfang August das zweite Maximum der Flugaktivität, um anschließend ihre Überwinterungshabitate aufzusuchen (spätester Nachweis: 09.11.(1991)). Der früheste Schlupfnachweis stammt vom 08.07.(2007).

Gefährdung und Schutz

Sympecma fusca gilt in Deutschland und in Nordrhein-Westfalen derzeit als „ungefährdet“ (Ott et al. 2015; Conze & Grönhagen 2011).

Als eine wesentliche Gefährdung ist die Eutrophierung der Fortpflanzungsgewässer von S. fusca anzusehen. An besiedelten Gewässern stellen Entschlammung und Entfernung der Ufergehölze geeignete Pflegemaßnahmen dar.  

Zitiervorschlag

Willigalla C (2019): Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca). In: AG Libellenkunde NRW — Online-Atlas der Libellen Nordrhein-Westfalens. Heruntergeladen von libellenatlas-nrw.lwl.org am 21.08.2019

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