Für die Menschen. Für Westfalen-Lippe.

Atlas der Libellen Nordrhein-Westfalens

Arbeitskreis Libellen NRW in Zusammenarbeit mit dem LWL-Museum für Naturkunde

Der Atlas zeigt Ihnen auf Basis von Topographischen Karten das Vorkommen heimischer Libellenarten. Probieren Sie es aus.

Glänzende Smaragdlibelle

Somatochlora metallica

Erstnachweis:
Nachweise im Atlas:
Anhang II :
Anhang IV:
Kartenansicht
Startjahr

Endjahr

 

Artfoto
Männchen von S. metallica (Boffzen, Niedersachsen, 19.06.2005). Foto: Lohr, Mathias

Verbreitung und Bestandssituation

Somatochlora metallica ist ein westsibirisches Faunenelement, dessen Verbreitungsgebiet sich von Südengland an östlich bis nach Sibirien erstreckt. Nördlich gehen die Vorkommen über den Polarkreis hinaus und im Süden erstrecken sie sich bis in die Pyrenäen und nach Bulgarien (Dijkstra & Lewington 2006). In den Niederlanden und in Belgien ist S. metallica weit verbreitet und meidet lediglich die unmittelbaren Küstenregionen (NVL 2002, de Knijf et al. 2006).

In Nordrhein-Westfalen ist die Art nur sehr zerstreut verbreitet und zählt zu den mäßig häufigen Arten. S. metallica besitzt hier in den Mittelgebirgslagen einen deutlichen Schwerpunkt. Eine fast flächendeckende Besiedlung liegt für die Bereiche zwischen dem südlichen Ruhrgebiet und dem nördlichen Bergischen Land/Märkischer Kreis sowie zwischen dem südlichen Bergischen Land und dem Siegerland/Südsauerland vor. Im zentralen und nördlichen Ruhrgebiet sowie in großen Teilen der Westfälischen Bucht fehlen Nachweise von S. metallica fast vollständig. Da die Art in intensiver bearbeiteten Regionen wie dem Kreis Viersen und der Stadt Münster durchaus verbreitet ist, könnte die Seltenheit in den übrigen Gebieten auf eine geringe Beobachtungsdichte zurückzuführen sein (auch auf Grund der nicht ganz so einfachen Arterkennung). Diese Möglichkeit liegt nahe, da S. metallica in den angrenzenden Sandgebieten der Niederlande ebenfalls weit verbreitet, aber zahlenmäßig nicht häufig ist (NVL 2002).

Der weiten Verbreitung im Bergland, aber auch in zahlreichen Bereichen des Tieflandes entsprechend erstreckt sich die Höhenverbreitung der Art relativ gleichmäßig auf die Höhenstufen, wobei der höchste Fund bei 640 m ü.NN (NSG Schwarzbachsystem im Kreis Siegen-Wittgenstein [4915/1]) gelang.

Somatochlora metallica wurde bereits von Le Roi (1915) für stehende Gewässer der „Ebene und Vorberge“ als „nicht sehr verbreitet und wenig zahlreich“ beschrieben. Für die Preußische Rheinprovinz bezeichnen Kikillus & Weitzel (1981) die Art als „im ganzen Gebiet verbreitet“. Allerdings gehe sie in den Mittelgebirgen „nicht so hoch“, wird seltener angetroffen und sei auch seltener als Cordulia aenea (Falkenlibelle). Für Westfalen wurde S. metallica von KOLBE (1886) als „überall, aber nur vereinzelt“ angegeben, über spärliche Nachweise in der Westfälischen Bucht berichten Gries & Oonk (1975), die nur Fundorte nördlich der Lippe anführen.

Jödicke et al. (1989) geben für das südwestliche niederrheinische Tiefland an, dass S. metallica an mehreren Gewässern nachgewiesen wurde, es sich dabei allerdings nur um Einzelnachweise handelte. Hinweise auf Vermehrung gab es während dieser Untersuchung nicht. S. metallica konnte auch in den letzten Jahren in Nordrhein-Westfalen in einigen Gebieten über mehrere Jahre konstant nachgewiesen werden, wobei aber meist nur Einzeltiere angetroffen wurden und nur wenige Vermehrungsnachweise vorliegen. Bei einem Großteil der Funde handelt es sich um revierpatrouillierende Männchen oder Sichtbeobachtungen von Imagines, die teils in weiter Entfernung von geeigneten Fortpflanzungsgewässern angetroffen wurden.

Lebensräume in Nordrhein-Westfalen

Somatochlora metallica besiedelt in Nordrhein-Westfalen fast ausschließlich stehende Gewässer. Hierzu zählen vornehmlich Teiche, Altarme und Weiher. Kleinere freie Wasserflächen in Form von Regenrückhaltebecken, Moorgewässern oder Tümpeln spielen keine große Rolle. Abgrabungsgewässer werden fast ausschließlich nur dann besiedelt, wenn sie bereits größere Ufergehölze und damit beschattete Bereiche aufweisen. Zusätzlich kommt S. metallica vereinzelt auch an strömungsberuhigte Abschnitte von Fließgewässern, wie Kanälen, Gräben oder Bachanstauungen vor. In den Mittelgebirgsregionen tritt sie häufig an ehemaligen oder extensiv genutzten Fischteichen auf, die meist steile Ufer haben und kaum von Wasserpflanzen besiedelt sind. Im unmittelbaren Umfeld der besiedelten Gewässer befindet sich in mehr als Dreiviertel aller Fälle Laubwald. Hier patrouillieren die Tiere in regelmäßigen Bahnen gerne unter den überhängenden Zweigen entlang der Ufer.

Phänologie in Nordrhein-Westfalen

In der ersten Maidekade beginnt die Schlupfperiode von Somatochlora metallica in Nordrhein-Westfalen, die dann bereits in der zweiten und dritten Maidekade ihren Höhepunkt erreicht. Trotz des vergleichsweise frühen Schlupfmaximums erstreckt sich die Schlupfperiode bis in den Hochsommer hinein, die letzten Exuvien konnten noch in der zweiten Augustdekade gefunden werden. Als Flugzeit von S. metallica wird in Nordrhein-Westfalen der Zeitraum von Anfang Mai bis Ende September, vor allem jedoch Mitte Juni bis Mitte August angegeben. Die früheste Flugbeobachtung gelang am 01.05.(1998), die späteste am 23.09.(1994).

Gefährdung und Schutz

Somatochlora metallica gilt in Deutschland und in Nordrhein-Westfalen als „ungefährdet“ (Ott et al. 2015; Conze & Grönhagen 2011).

Zitiervorschlag

Herhaus F (2022): Glänzende Smaragdlibelle (Somatochlora metallica). In: AG Libellenkunde NRW — Online-Atlas der Libellen Nordrhein-Westfalens. Heruntergeladen von libellenatlas-nrw.lwl.org am 30.11.2022

Beobachtungen

 

  lade die Beobachtungen ...