Für die Menschen. Für Westfalen-Lippe.

Atlas der Libellen Nordrhein-Westfalens

Arbeitskreis Libellen NRW in Zusammenarbeit mit dem LWL-Museum für Naturkunde

Der Atlas zeigt Ihnen auf Basis von Topographischen Karten das Vorkommen heimischer Libellenarten. Probieren Sie es aus.

Blaue Federlibelle

Platycnemis pennipes

Erstnachweis:
Nachweise im Atlas:
Anhang II :
Anhang IV:
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Endjahr

 

Artfoto
Männchen von P. pennipes (Köln, 13.06.2007). Foto: Thiess, L.

Verbreitung und Bestandssituation

Platycnemis pennipes ist eine pontokaspische Art, deren Verbreitungsgebiet mit Ausnahme der Iberischen Halbinsel sowie der mittleren und nördlichen Bereiche der Britischen Inseln und Skandinaviens ganz Europa umfasst (Dijkstra & Lewington 2006). Im angrenzenden Belgien und in den Niederlanden gehört P. pennipes zu den häufigen Arten (NVL 2002, de Knijf et al. 2006). In Deutschland, wo P. pennipes in allen Bundesländern nachgewiesen wurde, handelt es sich ebenfalls um eine weit verbreitete Art. In Deutschland, den Benelux-Ländern und Dänemark fehlt die Art lediglich in den Küstenregionen. Nordrhein-Westfalen liegt inmitten des europäischen Verbreitungsgebietes.

Platycnemis pennipes gehört in Nordrhein-Westfalen zu den häufigeren Arten und hat einen deutlichen Verbreitungsschwerpunkt in den Niederungen der größeren Tieflandflüsse wie Weser, Lippe, Ems, Rhein und Ruhr. Verbreitungslücken bestehen dagegen in den Mittelgebirgslagen von Sauerland und Siegerland, der Eifel sowie des Weserberglandes. Bodenständig ist P. pennipes bis zu einer Höhe von 380 m ü.NN im Bergischen Land nachgewiesen (Quelltümpel Am losen Knapp östlich Ennepetal [4610/4]). In der Eifel wurden Imagines noch in einer Höhe von 690 m ü.NN (Teich an der Berke im Baasemer Wald [5504/4]) beobachtet.

Vermutlich war die Art auch in früherer Zeit in den Mittelgebirgen vergleichsweise selten. So wird sie beispielsweise von Dobbrick (1934) in seiner Zusammenstellung der Libellenfauna des Sauerlandes nicht erwähnt. In der Westfälischen Bucht wurde P. pennipes dagegen nach älteren Angaben, etwa von Becker (1961) und Gries & Oonk (1975), seit Beginn der Sammeltätigkeit gegen Ende des 19. Jahrhunderts allgemein als häufig bezeichnet. Auch nach jüngsten Untersuchungen in der Emsaue im Kreis Steinfurt (Artmeyer 2000), der Weseraue bei Höxter (Lohr & Mitzka 2001), der Lippeaue im Kreis Soest (Joest 1998, 2002), in der Ruhraue im Raum Witten (Hagen 1992) und in der Rheinaue bei Rees (Borcherding 1997) kommt die Art meist in hoher Abundanz und mit großer Stetigkeit vor. Nach Vergleichen der Libellenfauna in einem Gebiet der Weseraue bei Höxter in den Jahren 1989 und 2001 sind keine Bestandsänderungen der Art festzustellen (Lohr & Mitzka 2001). Auch in drei zwischen 1991 und 2004 mit wenigen Ausnahmen jährlich untersuchten Gebieten der Lippeaue des Kreises Soest ergaben sich keine Hinweise auf Bestandsveränderungen. Auch landesweit ist die Bestandssituation von P. pennipes als stabil zu bezeichnen.

Lebensräume in Nordrhein-Westfalen

Platycnemis pennipes ist eine Art der Tieflandflüsse und ihrer Auen. So bestehen die meisten Vorkommen der Art an Flüssen, Altarmen und Bächen. Entsprechend der Präferenz für langsam fließendes Wasser werden auch Gräben besiedelt. Daneben gehören in Nordrhein-Westfalen aber auch Stillgewässer wie Teiche, Abgrabungsgewässer und Weiher zu den Lebensräumen von P. pennipes. Die Größe der besiedelten Stillgewässer reicht von wenigen hundert Quadratmetern bis zu mehreren Hektar, in der Regel handelt es sich allerdings um kleinere bis mittelgroße Gewässer. Als leicht wärmeliebende Art bevorzugt P. pennipes Gewässer mit einer gut ausgeprägten, mikroklimatisch günstigen Ufervegetation und einer reichen Wasservegetation für die Eiablage. Das häufige Vorkommen der Art an beangelten Gewässern spiegelt die vergleichsweise hohe Toleranz gegenüber der Anwesenheit von Fischen wider, die P. pennipes an fischreichen Gewässern einen Konkurrenzvorteil gegenüber anderen Arten bietet (Sternberg & Buchwald 1999).

Phänologie in Nordrhein-Westfalen

Die Flugzeit von Platycnemis pennipes beginnt in Nordrhein-Westfalen meist in der ersten Maidekade und endet im September. Ein deutliches Maximum der Flugaktivität ist in den Monaten Juni bis Juli festzustellen. Der früheste Nachweis der Art stammt vom 11.04.(2009), der späteste vom 29.09.(1985). Die Schlupfperiode ist relativ lang und erstreckt sich auf den Zeitraum zwischen Anfang Mai und Anfang August.

Gefährdung und Schutz

Platycnemis pennipes gilt in Deutschland und in Nordrhein-Westfalen als „ungefährdet“ (Ott et al. 2015; Conze & Grönhagen 2011).

Auf Grund der relativ weiten Verbreitung, der zum Teil großen Populationen und der unverändert erscheinenden Bestandssituation von P. pennipes ist in Nordrhein-Westfalen zurzeit keine unmittelbare Gefährdung zu erkennen.

Zitiervorschlag

Joest R (2019): Blaue Federlibelle (Platycnemis pennipes). In: AG Libellenkunde NRW — Online-Atlas der Libellen Nordrhein-Westfalens. Heruntergeladen von libellenatlas-nrw.lwl.org am 21.08.2019

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