Für die Menschen. Für Westfalen-Lippe.

Atlas der Libellen Nordrhein-Westfalens

Arbeitskreis Libellen NRW in Zusammenarbeit mit dem LWL-Museum für Naturkunde

Der Atlas zeigt Ihnen auf Basis von Topographischen Karten das Vorkommen heimischer Libellenarten. Probieren Sie es aus.

Feuerlibelle

Crocothemis erythraea

Erstnachweis:
Nachweise im Atlas:
Anhang II :
Anhang IV:
Kartenansicht
Startjahr

Endjahr

 

Artfoto
Männchen von C. erythraea (Taubenborn, Kreis Höxter, 20.06.2005). Foto: Lohr, Mathias

Verbreitung und Bestandssituation

Crocothemis erythraea ist im gesamten Mittelmeerraum weit verbreitet und häufig und wird den holomediterranen Faunenelementen zugeordnet. Das Verbreitungsgebiet der Art reicht von Europa bis nach Vorder- und Zentralasien und umfasst außerdem den afrikanischen Kontinent. In Deutschland waren Funde bis in die 1980er Jahre hinein fast ausschließlich auf thermisch stark begünstigte Gebiete wie die Oberrheinebene beschränkt. Seit Mitte der 1980er Jahre ist in Mitteleuropa eine starke Ausbreitung der Art nach Norden zu beobachten, die offensichtlich auch momentan anhält und auf die in den letzten beiden Jahrzehnten beobachtete Klimaerwärmung zurückzuführen ist (vgl. z. B. Ott 2007). So gelang im Jahr 2007 der Erstfund für Schleswig-Holstein (C. Winkler schriftl. Mitt.). Die aktuell bekannte Nordgrenze der Verbreitung verläuft von den Niederlanden, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern bis nach Polen (Mauersberger 2003a; Dijkstra & Lewington 2006). In Belgien und den Niederlanden gab es bis Ende der 1980er Jahre lediglich Einzelnachweise aus den südlichen Landesteilen, bevor auch hier ein starker Anstieg der Nachweise zu verzeichnen war und mittlerweile bodenständige Vorkommen existieren (de Knijf et al. 2006; NVL 2002). Für Rheinland-Pfalz erfolgte der Erstnachweis 1967 in der Oberrheinebene (Friedrich et al. 1976), wo sie bereits in den 1970er und 1980er Jahren in größeren Populationen auftrat (Niehuis 1984). Ähnlich dürfte sich C. erythraea im angrenzenden Südhessen ausgebreitet haben, auch wenn sie hier erst Anfang der 1990er Jahre nachgewiesen wurde (Flößer & Winkel 1994). Nahezu gleichzeitig trat die Art dann ab Ende der 1990er Jahre auch in Nordhessen und Südniedersachsen auf, wo sie sich seitdem stark ausgebreitet hat und zahlreiche bodenständige Vorkommen nachgewiesen wurden (Gottschalk & Stübing 2003; Lohr 2003).

Wie in weiten Teilen Mitteleuropas hat sich C. erythraea auch in Nordrhein-Westfalen ab Mitte der 1990er Jahre stark ausgebreitet. Dabei stieg die Anzahl der Erstnachweise vor allem ab dem Jahr 2000 sprunghaft an und erreichte 2003 mit 43 Gewässern, an denen die Art erstmals beobachtet wurde, den Höhepunkt. Neben einem starken Anstieg der Anzahl der Nachweise wurde vor allem im Zeitraum ab 2000 auch eine Zunahme der Abundanzen und der Bodenständigkeitsnachweise für die meisten der Vorkommen registriert.

Der Erstfund von C. erythraea für das Rheinland und gleichzeitig für Nordrhein-Westfalen gelang „Ferwer 1977“ bei Monheim am Rhein (Weitzel 1978). Weitere Einzelfunde folgten 1980 und 1989 in der nördlichen Eifel (Schmidt 1990a) sowie 1993 am Südrand der Niederrheinischen Bucht bei Zülpich, wo sie vermutlich schon seit Mitte der 1990er Jahre bodenständig ist (Rodenkirchen 2004). Ab Mitte der 1990er Jahre mehren sich auch Einzelfunde aus dem Niederrheinischen Tiefland, spätestens ab Ende der 1990er Jahre sind auch hier erste Bodenständigkeitsnachweise zu verzeichnen. Seit dem Jahr 2001 sind erste Funde für den nördlichen Rand des Bergischen Landes bekannt. Für Westfalen erbrachte Pfeifer 1993 den Erstnachweis im Kreis Borken (Rudolph 1998). In den Jahren 1994 und 1995 wurde die Art mehrmals in der Westfälischen Bucht, und zwar in der Senne und im Lippetal, beobachtet (Hahn 1996; Bauhus 1996a, b). In den Folgejahren gab es zahlreiche weitere Nachweise für die Art in der Westfälischen Bucht. Im Juni 2000 gelang hier erstmals ein Exuvienfund bei Unna. Die Nordgrenze von Nordrhein-Westfalen wurde spätestens 2001 erreicht, als die Art im NSG Heiliges Meer bei Hopsten [3611/2+4] nachgewiesen werden konnte. Außerdem wurde die Art 2001 erstmals auch im Weserbergland in der Oberweserniederung bei Höxter beobachtet, wo sie sich in den Folgejahren stark ausbreitete, mittlerweile bodenständig ist und zu den häufigsten Großlibellenarten einiger Abgrabungsgewässer zählt.

Ccocothemis erythraea gehört derzeit zwar noch zu den nur mäßig häufigen Arten in Nordrhein-Westfalen, wie in den Nachbarländern hat sich die Art aber auch hier stark ausgebreitet und ist mittlerweile in allen Großlandschaften nachgewiesen. Als wärmebedürftige Art hat sie ihren Verbreitungsschwerpunkt im Flachland und in den größeren Flussniederungen. Eine weite Verbreitung zeigt die Art im südlichen Teil der Westfälischen Bucht – hier vor allem in der Lippeniederung – sowie entlang des Rheins im Niederrheinischen Tiefland und in der Niederrheinischen Bucht. Aus dem nördlichen Teil von Nordrhein-Westfalen gab es bis 2005 lediglich Einzelnachweise ohne Hinweis auf Bodenständigkeit. Seitdem mehren sich auch hier die Funde. Im Bergland ist C. erythraea weitgehend auf die wärmebegünstigten Täler beschränkt. Funde im Bergischen Land stammen fast ausschließlich aus dem Ruhrtal und im Weserbergland aus der Oberweserniederung. Aus der Eifel liegen lediglich Einzelnachweise aus den 1980er und 1990er Jahren vor, aktuelle Funde fehlen. Einer der wenigen Nachweise aus dem Sauer- und Siegerland ist gleichzeitig der höchst gelegene für Nordrhein-Westfalen und liegt bei 380 m ü.NN (Breitenbachtalsperre bei Hilchenbach [5014/1], 16.07.2006).

Der Temperaturpräferenz der Art entsprechend liegen mehr als 80 % der Beobachtungen in Höhenlagen unter 100 m ü.NN, über 200 m ü.NN wurde die Art nur vereinzelt und fast ausschließlich ohne Bodenständigkeitshinweisen gefunden.

Lebensräume in Nordrhein-Westfalen

Crocothemis erythraea besiedelt in Nordrhein-Westfalen bevorzugt ausdauernde Stillgewässer, die zumindest in Teilbereichen geringe Wassertiefen aufweisen. Zumeist unterliegen diese Gewässer einem Grundwasserzustrom, so dass auch Flachwasserzonen im Winter nicht bis zum Boden durchfrieren. In Flussniederungen ist die Art vielfach an Altarmen zu finden, so beispielsweise an der Ems und der Lippe. Außerdem liegen auch Nachweise für die so genannten „Alten Fahrten“ der Schifffahrtskanäle in der Westfälischen Bucht vor (Schmidt 2003). Dabei handelt es sich um nicht mehr verkehrlich genutzte, oft abgetrennte Kanalabschnitte, die Altarmen strukturell ähnlich sind. In den großen Flussauen von Rhein und Oberweser kommt C. erythraea vorzugsweise an größeren Abgrabungsgewässern unterschiedlicher Sukzessionsstadien vor. Hier besiedelt die Art stark besonnte Uferabschnitte mit Flachwasserzonen und einer meist dichten submersen Vegetation aus unter anderem Chara spp. (Armleuchteralgen), Elodea spp. (Wasserpest) und Myriophyllum spicatum (Ähriges Tausendblatt). Auf der Wasseroberfläche schwimmen im Hochsommer oft ausgedehnte Grünalgenbestände, emerse Vegetation ist meist nur in einer geringen Deckung vorhanden. Die hohe Sonneneinstrahlung in diesen Flachwasserzonen bedingt hohe sommerliche Wassertemperaturen und begünstigt eine kurze Larvalentwicklungszeit der Art. Geeignete Fortpflanzungshabitate von C. erythraea finden sich vor allem in den größeren Flussniederungen, wo ausdauernde Gewässer mit ausgedehnten Flachwasserzonen – wie zum Beispiel Altarme – zu finden sind. In vielen Auen wird oder wurde die Ausbreitung der Art auch durch die hohe Dichte an Abgrabungsgewässern gefördert, so entlang des Rheins und der Oberweser.

Phänologie in Nordrhein-Westfalen

Die Schlupfperiode von Crocothemis erythraea kann im wärmebegünstigten Rheintal bereits ab Mitte Mai beginnen. So gelang hier der früheste Exuvienfund am 03.05.(2007). Während in den meisten Jahren die Emergenz spätestens Mitte Juli weitgehend abgeschlossen sein dürfte, konnte Böhm (2004) für das Jahr 2003 mit einem extrem trocken-heißen Sommer einen bivoltinen Entwicklungszyklus für ein Gewässer im Niederrheinischen Tiefland nachweisen. Dabei erreichte die Schlupfzeit der ersten Generation bereits Ende Mai ihren Höhepunkt, während die zweite Generation ab Ende Juli schlüpfte. Exuvienfunde gelangen noch bis zum 18.09. Der in manchen Jahren bivoltine Entwicklungszyklus führt im Phänogramm zu einem zweigipfeligen Verlauf der Schlupfkurve. Ausgefärbte Imagines lassen sich in der Regel bereits 5-10 Tage nach den ersten Exuvienfunden beobachten. Die Flugzeit ist relativ lang und erreicht in der zweiten Julidekade ihren Höhepunkt. In Jahren mit einem univoltinen Entwicklungszyklus endet sie zumeist Anfang September. Kommt es zur Ausbildung einer zweiten Jahresgeneration wie im Jahr 2003, zeigt sich in der zweiten Augustdekade wieder ein Anstieg der Imaginalbeobachtungen und die Flugzeit kann sich bis Ende September erstrecken. Die späteste Beobachtung gelang am 26.09.(2003).

Gefährdung und Schutz

Crocothemis erythraea wird in der Roten Liste in Deutschland und in Nordrhein-Westfalen als „ungefährdet“ aufgeführt (Ott et al. 2015; Conze & Grönhagen 2011).

In Nordrhein-Westfalen ist momentan keine Gefährdung von C. erythraea abzusehen, da die Art sich hier offensichtlich weiter ausbreitet. Von dem erhöhten Angebot an Sekundärgewässern wie Abgrabungen hat die Art profitiert.

Zitiervorschlag

Lohr M (2019): Feuerlibelle (Crocothemis erythraea). In: AG Libellenkunde NRW — Online-Atlas der Libellen Nordrhein-Westfalens. Heruntergeladen von libellenatlas-nrw.lwl.org am 21.08.2019

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